Gedankencappuchino

Herbstdepression – Ade

Heute möchte ich über die allseits bekannte Herbstdepression schreiben. Darunter verstehe ich aber vermutlich etwas ganz anderes, als die meisten Menschen. Bitte verwechselt in diesem Artikel den Begriff nie mit einer echten Depression. Das ist eine ernste und heftige Krankheit. Ich schreibe heute über etwas ganz anderes.

Mal Hand aufs Herz. Hast du schon mal über das Wetter gemeckert? Zu warm, zu kalt, zu nass, zu trocken? Der Herbst bekommt da seine ganz eigene negative Ladung an menschlichem Gemecker ab. Der Herbst ist zu dunkel, zu kalt, zu windig und zu nass und darum geht es mir im Herbst auch immer so schlecht. Ich bin lustlos und deprimiert und alles ist so schwer. Na? Wer von euch hat das schon mal gedacht?

Diese Einstellung bringt uns tatsächlich eine Menge Vorteile. Ich bin nicht schuld, wenn ich schlechte Laune habe und andere verletzte. Ich bin nicht schuld, wenn ich etwas nicht schaffe. Ich bin nicht schuld, wenn ich mich verkrieche. Das liegt alles am bösen Herbst.

Ja ich weiß, dass die Herbstdepression laut vieler Informationen wirklich ernst zu nehmen ist. Das liegt laut der Wissenschaft an weniger Tageslicht und einem Mangel an Serotonin. Hier mal ein durchaus guter Artikel darüber, den ich im Netz gefunden habe.

Fakt ist aber, dass wir uns und unser Verhalten viel zu oft mit der Herbstdepression entschuldigen. Trotz aller Hormone oder anderer Einflüsse bin ich nämlich selber für meine Entscheidungen verantwortlich. Wenn ich also faul sein möchte, dann doch bitte offen und ehrlich und mit Genuss. Wenn ich nicht aktiv sein will, dann bitte ohne einer Jahreszeit die Schuld dafür zu geben. Wenn ich andere Menschen verletze, weil ich maulig bin, dann muss ich mich für mein Verhalten entschuldigen, statt das Wetter dafür verantwortlich zu machen.

Damit will ich jetzt aber nicht sagen, dass wir uns falsch verhalten, dumm sind oder gedankenlos. Ich glaube einfach, dass wir leider immer wieder vergessen positives zu sehen, zu erkennen und zu schätzen. Wir verlernen zufrieden und glücklich zu sein. Das liegt nicht am Herbst, sondern an vielen Dingen, die uns das Leben schwer machen.

Vieles kann man nicht so einfach ändern. ABER wir können diesen Dingen verbieten unser Leben voll und ganz in Besitz zu nehmen. Ich denke, dass mein Leben immer irgendetwas bereit hält, das mir Grund gibt glücklich zu sein. Das sind manchmal ganz kleine Dinge, aber klein ist verdammt viel wert.

Also treten euren inneren Schweinehund (woher kommt dieses Wort nun wieder?) ins bequeme oder deprimierte Hinterteil und hebt den Blick.

Eine Landschaft im Nebel kann absolut wundervoll sein. Geheimnisvoll und märchenhaft. Wenn das keine schönen Träume weckt. Die Herbstsonne zaubert ihre ganz eigenen Lichteffekte in unsere Welt. Dazu die bunten Blätter. Das ist tausend schöne Fotos oder Bilder wert. Ebenso wie der Regen. Springende Tropfen in riesigen Pfützen. Blickwinkel, die sich verändern, wenn man sie durch eine verregnete Fensterscheibe anschaut. Schnappt euch eure Kamera oder das Handy und einen Regenschirm und entdeckt den Herbst mal ganz anders. Egal ob Stadt oder Dorf, ihr werdet euch wundern wie viele tolle Momente euch das schenkt. Vom Spaziergang den man dabei macht mal ganz abgesehen.Ich gehe nicht so gerne nur einfach so spazieren. Wenn ich aber meine Kamera dabei habe, vergesse ich wie weit die Strecke ist, ob es kalt ist oder regnet. Ich habe einen ganz anderen Blick und vergesse völlig was mich nervt oder stört.

Dazu ist der Herbst einfach unsagbar praktisch. Es gibt nämlich total viele Sachen, die man sammeln kann, um seine Wohnung zu verschönern, Kinder zu beschäftigen, Geschenke zu machen. Das spart Geld (das kann man dann in ein Stück Kuchen investieren). Übrigens gilt das auch für die Männer. Bringt euer Frau/Freundin/Mann/Freund einfach Zweige mit und lackiert sie in der gewünschten Farbe und alle sind glücklich. Hier ein paar Ideen, die mich sehr begeistern. Video 1 und Video 2 und Video 3. Wenn man schöne Dinge erschafft und die Wohnung schön macht, dann hat Lustlosigkeit keine Chance mehr und es gibt innere Zufriedenheit.

Wer nun absolut kein Dekofan ist oder basteln total blöd findet, der kann sich trotzdem auf den Herbst freuen. Denn es ist Kuschelzeit. Ob alleine oder zu zweit aber auch mit Freunden. Wolldecken, heißer Kaffee, Kakao, Tee, das heißgeliebte Sofa. Kerzenlicht, ein gutes Buch. Die ewige Hektik lässt nach und man gönnt sich viel öfter diese Entspannungszeiten. Da kann es einem doch gar nicht mehr schlecht gehen. Schon mal so eine gemütliche Runde gemacht und einer liest etwas vor? Ihr könnt gemeinsam ein Spiel spielen – an Tisch, nicht an Computer. (Ja sowas gibt es noch).

Aktiv wird man bei Kürbisfesten, Halloweenpartys, Marmelade kochen oder einfach kochen lassen und nur essen. Übrigens. Marmelade oder Kekse muss man nicht immer für eine ganze Armee machen. Für 2 Personen reicht auch. für sich selbst und einmal zum verschenken.

Fazit ist, der Herbst bietet einfach viele Chancen auf warm, kuschelig, kreativ, aktiv, gemütlich, lecker, zufrieden, Freunde, fröhlich und Stolz sein. Es liegt an jeden selber das zu nutzen.

Für die ganz harten Fälle, die jetzt immer noch jammern und seufzen habe ich hier ein paar ganz konkrete Ideen.

  • Das Glücksglas (inspiriert von meiner Tochter, die diese Idee gefunden hat). Nehmt ein schönes Glas und viele Zettel. Schreibt alles auf, was euch jemals fröhlich und glücklich gemacht hat und steckt dann alle Zettel in das Glas. Wenn es euch schlecht geht, holt die Zettel raus und ihr werdet wieder erinnert an die guten Zeiten und Momente. Das tut gut!
  • Das magische Schmuckstück (wenn ihr eine Kette, einen Ring, ein Armband sehr häufig tragt, dann fasst diesen Gegenstand immer an, wenn euch etwas glücklich und zufrieden macht. Nach einer Weile passiert etwas sehr magisches. Irgendwann ist dieser Gegenstand so mit Glück verbunden, dass ihr ihn nur berühren müsst und sofort wird euer Körper Glückshormone ausschütten. (Kommt aus der Entspannungstherapie und funktioniert wirklich).
  • Das Schaumbad. In der Badewanne liegen und entspannen geht nur wirklich gut, wenn es draußen kalt ist.
  • Der Windschreier. Es ist wirklich befreiend, wenn man mal alles, was einen nervt so richtig LAUT raus schreien kann. Also freut euch wenn es draußen stürmt. Geht raus, sucht euch eine halbwegs einsame Stelle und brüllt alles raus. Der Wind schluckt fast alles und pustet gleichzeitig alles aus euch raus. Ich mache das öfter mal, irgendwann lacht man dabei nur noch und fühlt sich nicht mehr total albern, versprochen.

Und nun auf in einen entspannten, aktiven, kreativen und glücklichen Herbst. Bei Wind und Wetter, Sonne und Regen, Sturm und Kaffee. Lasst euch niemals das Glück ausreden.

 

 

4 Kommentare

  • Dirk

    Stimmt wir müssen uns mal wieder zu einer schönen gemütlichen Spielerunde zusammenfinden. 😉 Da wartet noch ein Vampir in Prag.

  • Sarah Leyladesch

    Schöner Artikel, der durchaus seine Richtigkeit hat. ^^ Ich denke eh, dass es langweilig wäre, das ganze Jahr über nur Sommer oder nur Winter zu haben. Grundsätzlich haben alle Jahreszeiten so ihre Vor- und Nachteile. Ich hasse diesen Matsch von geschmolzenem Schnee und das herumschlittern im Winter (an Orten, an denen man es braucht). Dafür liebe ich die Landschaft, wenn er gerade frisch gefallen und noch unberührt ist 😀 Als wäre man der erste Mensch, der irgendwo entlangwandert, weil einfach keinerlei Spuren von anderen zu finden sind. ^^
    Der Sommer wiederrum bietet einfach so viel Sonne und schöne Möglichkeiten, bis in die Nacht draußen zu sitzen und z.B. mit Freunden zu quatschen, ohne zu frieren. Andererseits sind da auch diese Tage, wo du einfach nur auf einem kühlen Boden liegen und dich nicht bewegen willst, weil sich alles ekelhaft anfühlt 😀
    Sowohl der Frühling, als auch der Herbst sind halt so Zwischendinger. Bin mir nicht ganz sicher, welche Jahreszeit ich da wirklich besser finden soll – einerseits hat der Frühling den ersten warmen Tag des Jahres, der Herbst wiederrum die faszinierendsten Farben des Jahres, wie du schon sagtest. 😀 Es gibt in allem, was wir tun und was um uns herum ist, immer etwas positives. Manchmal muss man nur die Augen aufmachen und sich selbst daran erinnern – auch wenn man etwas tiefer graben muss. ^^

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.