Gedankencappuchino

Ich verstehe was, was du nicht hörst.

8. April 2019

Manche meiner Gedankengänge sind ab und an nur schwer zu verstehen. Oder zu schreiben. Jeder kann in meinen Texten etwas völlig anderes finden. Was ich ursprünglich ausdrücken wollte, ist dabei zweitrangig.

Jede Wahrnehmung ist geprägt von unseren Erfahrungen. Dazu ein Beispiel: Wenn ich beim Zahnarzt zehnmal erlebt habe, dass die Spritze weh tut, dann gehe ich davon aus, dass dies auch beim elften Mal passiert. Mein Körper spannt sich an, die Nerven werden empfindlicher, die Schmerzempfindlichkeit steigt.

Das ist nachvollziehbar. Wie ist das aber mit den zwischenmenschlichen Dingen? Eine Frau sitzt lächelnd auf einer Parkbank. Ein Spaziergänger sagt: „Die hat mich aber nett angelächelt“. Eine weitere Passantin findet, dass die Frau überheblich grinst. Eine weitere Person empfindet die Frau als unsicher, die verzieht ihr Gesicht so komisch. Der nächste fühlt sich ausgelacht.

Also kann ich meinen Gefühlen, wenn ich Menschen visuell einschätze nicht mehr trauen? NEIN, das geht grundsätzlich nicht. Auch wenn ich schon viele Male Recht hatte mit meinen Vermutungen. Meine eigenen schon gemachten Erlebnisse beeinflussen mich nämlich zu sehr. Niemand erkennt alles richtig, niemand erkennt alles falsch. Aber wie es wirklich und tatsächlich ist, erfahren wir nur wenn wir fragen. „Ich habe den Eindruck, dass du gerade wütend bist, stimmt das?“

Das bedeutet natürlich auch, dass meine Mitmenschen gar nicht wissen können wie es mir geht, wenn ich es nicht ausspreche. Die meisten glauben zwar, dass sie das einschätzen können – aber Sicherheit bekommen sie nur, wenn ich mit ihnen rede. Okay das ist bei fremden Personen oft egal aber schauen wir mal in einer Beziehung genauer hin. „Also mein Freund weiß immer wie ich mich fühle, der kennt mich ganz genau. Nö, der hat anscheinend bisher nur gut geraten und wenn diese Glückssträhne endet habt ihr eine riesige Krise.

Ich habe einen sehr guten Freund und wir zwei sind sehr oft derselben Meinung. Wenn das dann mal nicht so ist, fühlt sich das im erstem Moment echt falsch an. Bisher haben wir immer die Kurve bekommen und angefangen zu klären und uns dann ggf in der Mitte zu treffen. Aber ich muss auch dazu sagen, dieser Freund hat immer sehr viel Geduld mit mir.

Das klappt aber nicht immer. Darum versuche ich inzwischen möglichst viel nachzufragen. Ob ich die Dinge richtig verstehe, sehe, gehört habe usw. Einfach um sicher zu gehen. Das klappt nicht immer aber ich bemühe mich, denn genau das wünsche ich mir von den anderen auch. Dass sie fragen bevor sie falsche Schlüsse ziehen, enttäuscht, traurig oder wütend sind – nur weil wir alle nicht hellsehen können.

Vergesst aber niemals, dass ihr Menschen in euren Leben braucht, bei denen ihr ungeschminkt, ohne nachzudenken, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen genau so sein dürft, wie ihr nun mal seid. Einfach echt und wundervoll.

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